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Was ist ein Waldkindergarten?
Geschichte
Auch wenn es mittlerweile in Schleswig-Holstein Natur- oder Waldkindergärten in zahlreichen Städten und Gemeinden gibt, trifft diese Form der Kinderbetreuung leider noch immer auf etliche Vorbehalte. Dabei ist diese Idee nicht neu. Vielmehr verbreitete sich dieses Betreuungskonzept in Deutschland über Dänemark, wo bereits seit Jahrzehnten Einrichtungen dieser Art (skovbørnehave) existieren. In Deutschland entstand der erste Wald- und Naturkindergarten 1968 in Wiesbaden. Die Begründerin, Ursula Sube, organisierte damals diesen Waldkindergarten privat, erhielt jedoch vom zuständigen Jugendamt nie eine offizielle Genehmigung für diese Form der Kinderbetreuung. Sicher einer der Gründe, warum die Waldkindergartenbewegung erst in den letzten zwanzig Jahren größeren Anklang fand. Der erste anerkannte Natur- bzw. Waldkindergarten Deutschlands öffnete 1993 in Flensburg, im Kreis Rendsburg-Eckernförde 1997 in Fockbek. Bundesweit wurden im Jahr 2007 etwa 700 anerkannte Waldkindergärten gezählt.
Konzept
Waldkindergärten werden häufig als „Kindergärten ohne Tür und Wände“ bezeichnet. Dieses Merkmal dürfte tatsächlich eines der wesentlichsten Unterschiede zu normalen Regelkindergärten sein. Denn Waldkindergärten sind zunächst einmal ganz normale Kindergärten, in denen die Kinder spielen, malen, lernen, basteln, toben, singen und Geschichten vorgelesen bekommen. Die meisten Waldkindergärten haben einen Bauwagen zur Lagerung von Materialien, Spielutensilien und Unterlagen. An besonders kalten oder nassen Tagen wird dieser Bauwagen dann zum Schutzraum umfunktioniert. Allerdings bleiben die meisten Kinder nur kurz im Trockenen und spielen dann draußen im Regen weiter. Für den Fall, dass es jedoch witterungsbedingt mal zu gefährlich im Wald werden sollte, haben die Waldkindergärten immer ein Notfallprogramm parat.
Durch täglich wiederkehrende Rituale wie z. B. den Morgenkreis oder Frühstücksgewohnheiten gibt der Waldkindergarten seinen Kindern einen sicheren Rahmen. Allerdings bietet ein Tag im Wald insbesondere viel Raum für Spontanität. Hier haben die Kinder noch die Möglichkeit, die Natur zu allen Jahreszeiten zu erleben, was heutzutage in Regelkindergärten meist nur schwer umsetzbar ist. So sind sie fünf Tage die Woche draussen im Freien, bei Sonne, Wind, Regen, Nebel oder auch an kalten Wintertagen.
Im Waldkindergarten lassen sich die Kinder bei ihren Spielen, Spielmaterialien und Bastelarbeiten allein von dem inspirieren, was die Natur ihnen je nach Jahreszeit zu bieten hat. Auf diese Weise bauen sie früh eine natürliche Beziehung zur Natur auf und erfahren mit all ihren Sinnen ihre Umgebung. Waldkinder setzen sich mit Dingen auseinander, die viele Kinder nur noch aus dem Fernsehen kennen. Es wird geklettert, balanciert, gelauscht, beobachtet, geforscht und gespielt. Schon Dreijährige werden zum Schnitzen und Sägen ermuntert. Es werden Eichelmännchen und Kastanienketten gebastelt oder aber die Kinder beobachten bei Gelegenheit ein Reh im Unterholz.
Dem kindlichen Bewegungstrieb sind im Gegensatz zu Regelkindergärten nur wenige, von den Kindern leicht nachvollziehbare Beschränkungen auferlegt. Auf ständige Veränderungen, wie z.B. Pflanzenwachstum, Laubfall, Pfützen etc. müssen sie reagieren. So kann an einem Tag ein Baumstamm, auf dem sie balancieren, trocken und rutschfest und am anderen Tag feucht und eher eine glitschige Angelegenheit sein. Die Kinder werden in einem Waldkindergarten vom Wald bewegt und sind ständig in Bewegung. Natur- und Waldkindergärten stärken und stabilisieren die kindliche Entwicklung in besonderer Weise und während wir Erwachsenen uns so manches Mal noch zweifelnd den grauen Himmel anschauen, sind die Kinder schon wieder dabei, mit ihren Stöcken das edle Burgfräulein vor dem bösen Drachen zu beschützen oder gemeinsam ein Tannenhaus zu bauen.
Schwerpunkt im Umgang mit der Natur sind insbesondere die Schulung der Sinne, der Phantasie, der Kreativität sowie der Grob- und Feinmotorik. Dies vermittelt den Kindern wichtige Schlüsselqualifikationen und fördert ihre Selbständigkeit, die sich letztlich auch vorteilhaft auf die weitere individuelle Entwicklung der Vorschulkinder im Waldkindergarten auswirkt. So zeigen auch unterschiedliche Erfahrungsberichte ehemaliger Waldkindergarteneltern häufig, dass die Kinder sich mit Eintritt in die Schule im Wald wahrlich ausgetobt haben, sich auf die neue Herausforderung „Schule“ freuten und es regelrecht genossen, sich nun in einem Raum aufhalten zu können. Diese Beobachtungen konnte Dr. phil. Peter Häfner nicht nur bestätigen, sondern sogar noch konkretisieren. Denn seiner wissentschaftlichen Studie zufolge würden Kinder eines Waldkindergartens gegenüber Kindern aus Regelkindergärten besonders in ihrer Motivation, Ausdauer, Konzentration, ihrem Sozialverhalten und bei ihrer Mitarbeit im Unterricht besser abschneiden.