Gesundheit ~ Das Miteinander ~ Natur- und Umwelterziehung

Immer häufiger schlagen Kinderärzte Alarm, dass bei Grundschulkindern Atemwegserkrankungen, Haltungsschwächen, schlaffe Muskeln, Übergewicht, eine auffällige Motorik und auch psychische Instabilitäten mehr und mehr zunehmen. Eine der Hauptursachen soll hierfür sein, dass das Aufwachsen der Kinder der heutigen Generation mit dem ihrer Elterngeneration kaum noch zu vergleichen sei. „Denn sich viel zu bewegen, draußen herumzutollen und die eigenen körperlichen Fähigkeiten auszutesten, war vor zwanzig, dreißig Jahren für Kinder noch eine Selbstverständlichkeit. Aufgrund zunehmender Bebauung und Versiegelung von Grünflächen werden sie jedoch zum Spielen immer mehr vom Außenbereich als Spiel- und Erlebnisort in die Wohnung verdrängt. Dies forciert eine ständig wachsende Bewegungseinschränkung. Die mit der Verhäuslichung parallel einhergehende Zunahme an Medienkonsum fordert zusätzlich ihren Tribut und sorgt dafür, dass sich der allgemeine gesundheitliche Zustand der Heranwachenden zusehends verschlechtert.“ (Dr. Dieter Breithecker, Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V. )

Gesundheit

  • Der Bewegungsraum im Wald ist nicht beschränkt. Gerade deshalb bietet er optimale Bedingungen, die Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter für eine natürliche und gesunde Entwicklung benötigen. Durch die örtlichen Gegebenheiten wird die Grobmotorik der Kinder besonders gefördert. Im Wald ist der Boden uneben, die Kinder klettern auf Bäume oder balancieren über umgestürzte Stämme. Je nach Lust und Laune haben sie dort immer die Möglichkeit, sich entweder körperlich auszutoben und auszuprobieren, sich intensiv mit einer Sache zu beschäftigen und zu spielen oder einfach auch nur zu träumen.
  • Denn in unserer lauten Welt können sie dort wieder Stille erleben. Anders als in geschlossenen Räumen verpufft Lautstärke im Wald. Untersuchungen bestätigen, dass je höher die Lärmbelastung ist, desto höher ist generell die Stressbelastung und desto agressionsgeladener sind auch die Menschen, insbesondere aber Kinder. „Unser Sohn war zunächst ein halbes Jahr in einem städtischen Kindergarten. Dort litt er teilweise sehr unter der Lautstärke in den Räumlichkeiten. Er wurde dadurch sehr unruhig und zum Einzelgänger. Im Waldkindergarten änderte sich das, denn Lautstärke spielte dort keine Rolle mehr. Er entwickelte sich zu einem ausgeglichenen, fröhlichen Jungen, der schnell Freunde fand.“ (Erfahrung einer Mutter, deren Sohn bis 2012 unseren Waldkindergarten besuchte.)
  • Der stundenlange Aufenthalt im Freien wirkt sich außerdem positiv auf das Immunsystem der Kinder aus und fördert in hohem Maße die Funktion der Atemorgane bei allergischem und chronischem Asthma. Erkältet sind Waldkinder natürlich auch, doch läßt sich ein Schnupfen im Freien besser als bei trockener Heizungsluft ertragen. HNO-Ärzte verneinen auch ganz klar die Befürchtung vieler Eltern, dass Waldkinder häufiger unter Mittelohrentzündungen leiden könnten. Ganz im Gegenteil ist die Ansteckungsgefahr draussen grundsätzlich geringer, weil die meisten Erreger dort kaum eine Überlebenschance haben.

Das Miteinander

In unserem Waldkindergarten werden Mädchen und Jungen im Alter von drei Jahren bis sechs Jahren gemeinsam betreut. Deshalb nimmt hier das Leben in der Gruppe einen großen Stellenwert ein. Jüngere können dabei viel von den Älteren lernen. Umgekehrt achten die Großen darauf, dass auch die Kleinsten nicht zurückbleiben und es ihnen gut geht. Mädchen bestehen die gleichen Mutproben und Abenteuer wie die Jungs. Rollenklischees werden dadurch praktisch aufgelöst. Wenn ein Kind mal krank ist oder einfach auch nur weint, sind selbst die wildesten Kinder betroffen. Ebenso lassen sich eher schüchterne Kinder gerne von der Freude und dem Übermut ihrer Spielkameraden anstecken. So werden insgesamt besonders die mitmenschlichen Bereiche in einem Waldkindergarten gefördert und soziale Kompetenzen entwickelt, frei nach dem Motto: „Gemeinsam sind wir stark!“

Natur- und Umwelterziehung

Bereits im Juni 1992 legten die Vereinten Nationen auf ihrer Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro eine Leitlinie für die Kulturen der Welt fest und forderte für die Zukunft eine ganzheitliche und nachhaltige Bildung, um in Zukunft wirtschaftliche Entwicklungen nicht mehr gegen, sondern mit der Natur verwirklichen zu können. „Lernen im Zusammenhang“ oder „Lernen, wie die Natur es uns vormacht“ wurden dabei als unabdingbare Voraussetzungen zur Schaffung eines ökologischen und ethischen Bewusstseins herausgestellt.

  • In Natur- und Waldkindergärten lernen die Kinder in natürlichen Zusammenhängen zu denken und zu handeln, indem sie dort spielerisch, aber selbständig an exemplarischen, naturnahen Beispielen forschen. Naturkenntnisse werden auf diese Weise durch eigene Anschauung erworben. So lernen sie z. B. wie das Eichhörnchen lebt, lernen die Bedeutung von Vogelnistkästen im Wald kennen oder was alles im Wald wächst. Natürlich sind auch Waldkinder keine Experten was die Pflanzen- und Tierkunde angeht, nur prägt sich Kindern stärker ein, was sie selbst herausgefunden haben.
  • „Wir schützen, was wir kennen.“ Empört reagieren Waldkinder deshalb immer wieder über z. B. achtlos weggeworfenen Müll. So läßt sich insgesamt beobachten, dass Kinder, die einen Waldkindergarten besucht haben, meist eine ausgeprägte Verbundenheit zur Natur haben, so dass die Hoffnung besteht, dass sie auch später sensibel auf Umweltzerstörungen reagieren und sich für den Erhalt der natürlichen Umwelt einsetzen werden.